Simone Mones

Coaching

Kann ich mich verńndern? Der Fall K.*

Ausgangslage: Ein mittelständisches Unternehmen streicht nach gewaltigen Umstrukturierungsmaßnahmen eine Führungsebene im Vertrieb. Die betroffenen Mitarbeiter sind verunsichert und stehen vor der Aufgabe, sich im Unternehmen neu positionieren zu müssen. Einer von ihnen: Herr K., 51 Jahre. Sein Problem: Er kann seinen Wert für das Unternehmen nicht mehr einschätzen, und er kann nicht mehr erkennen, ob er von seinen Vorgesetzten als Mitarbeiter mit Potenzial beurteilt wird. Trotz enormen Zeitaufwands hat Herr K. nicht mehr das Gefühl, die Dinge seines Zuständigkeitsbereiches gestalten zu können. Er fühlt sich in der Defensive, und es ist ihm klar, dass er diese Haltung ändern muss. Andernfalls, fürchtet er, wird er der nächsten Umstrukturierungsmaßnahme zum Opfer fallen. Früher gab ihm das Unternehmen Sicherheit und Bestätigung. Jetzt fühlt er sich bedroht.

Verlauf: Gemeinsam mit Herrn K. habe ich die unterschiedlichen Dimensionen, die die Situation beeinflussten, entflochten. So erhielten wir statt der unübersichtlichen Gemengelage klare Bilder einzelner Aspekte, die wir separat betrachten konnten: berufliches Selbstverständnis, Werdegang, Unternehmenskultur, die Umstrukturierung, die private Situation etc. Dies führte zu einem Perspektivwechsel: Herr K. erkannte, dass man Gegenbenheiten auch ganz anders beurteilen, dass man sich entsprechend auch anders verhalten kann. Da eine Coachingsituation Schutz und Schonung gewährleistet, konnte ich ungeschönt formulieren, wie die Perspektive eines Vorgesetzten auf Herrn K.s Verhalten aussehen könnte - in der realen Führungsbeziehung ist das nicht möglich.

Per Tiefeninterview und spezifischen Persönlichkeitstests habe ich für Herrn K. ein dezidiert formuliertes Persönlichkeitsprofil erstellt. Auf dieser Grundlage wurden Checklisten erstellt. Herr K. nahm sich vor, seine Verhaltensroutine zu durchbrechen und an mindesten fünf Gelegenheiten in der Woche eine andere Strategie auszuprobieren, so zum Beispiel Aufgaben zu delegieren, obwohl er dafür eine große Hemmschwelle überwinden musste - und in der Vergangenheit eben einfach alles selbst gemacht hat. Er registrierte Situationen, die normal oder überraschend gut abgelaufen waren, obwohl (oder weil?) er sich gegen etablierte Verhaltensweisen gestemmt hatte.

Ergebnis: Herr K. entschied sich für die Selbstbestimmung. Im Laufe unserer Arbeit war ihm klargeworden, dass er der verantwortliche Unternehmer für seine Lebensgestaltung ist. Er hatte gelernt, das Unternehmen nicht als Widersacher, sondern als großes Wirkungssystem zu begreifen, dessen Interessen man immer wieder gegen die eigenen Interessen austarieren muss. Infolgedessen verschwand das Gefühl der Fremdbestimmtheit und des Ausgeliefertseins. Er wurde wieder handlungsfähig.

Epilog: Herr K. hat am Ende selbst gekündigt und sich eine angemessene Position in einem anderen Unternehmen gesucht. Denn obwohl er seine berufliche Situation und sein Image durch seine Verhaltensänderung entscheidend verbessern konnte, hatten Kollegen und Vorgesetzte beharrlich sein altes Ich im Blick. Der Wechsel war für ihn die richtige Entscheidung, wobei es eine große Rolle spielte, dass er sie selbst getroffen hat.

 

*Sachverhalt wurde anonymisiert.

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