Simone Mones

Karriereplanung

Wohin führt mein Weg? Der Fall S.*

Ausgangslage: Frau S., 28, ist in ihrem Bereich ein Highlight. Sie fing als Sachbearbeiterin an. Ihr Abteilungsleiter macht sie sehr schnell zur Gruppenleiterin.

Frau S. hat ihre Arbeit im Griff. Darüber hinaus ist sie so natürlich und unbefangen, dass ihr jeder die Position gönnt. Durch ihren Einfluss hebt sich ihre Abteilung von den anderen ab. Man reißt sich um sie. Nun ist der sogenannte Deckeneffekt eingetreten: In ihrer jetzigen Position hat sie alles erreicht. Durch Beförderungsangebote - so von ihrem Hauptabteilungsleiter - fühlt sie sich geschmeichelt, lehnte bisher aber immer ab. Denn sie ist loyal.

Frau S. hat keine Vorstellung davon, in welche Richtung sie gehen möchte. Aber sie weiß, dass sie so ziemlich alles bisher gepackt hat und dass sie sich schnell arrangiert. Durch den allseitigen Zuspruch ist der Gedanke bei ihr entstanden, irgendwie weiter zu kommen. Die Anzeigen zu Abendkursen, Zusatzqualifikationen und Abschlüssen studiert sie nun genauer. Der Abteilungsleiter unterstützt sie: Die interne Personalentwicklung wird aktiv.

Verlauf: Als ich Frau S. im Rahmen eines Seminars kennen lernte, fragte sie gezielt nach Karriereplanung. Wir klärten, welche Aspekte bei diesem Thema eine Rolle spielen. Das Gefühl der Loyalität dem Abteilungsleiter gegenüber sowie die Verantwortung für das Team erlebte sie als riesengroß. Das machte sie befangen und unsicher. Auch war zu klären, wie groß ihre persönlichen Ressourcen für das Aufgreifen von etwas Neuem waren: wie viel Zeit realistischerweise investiert werden konnte, wie viel Freiraum existierte, sich auf Unvertrautes einzulassen. Und wir sprachen über mögliche Zukunftsszenarien: Wollte sie eine Familie gründen? Würde sie mit ihrem Mann ins Ausland gehen? Gemeinsam prüften wir dann die Weiterbildungsmöglichkeiten: Die waren unendlich und damit beliebig.

Durch unsere Gespräche konnte Frau S. erkennen, welche Themenfelder im Zusammenhang mit Karriereplanung für sie virulent wurden: Pflichtgefühl, Stolz, eigene Ansprüche an das Leben. Ich konnte ihr konkrete Hilfen für die Erweiterung ihrer Informationsbasis an die Hand geben: Welchen Personen muss ich welche Fragen stellen, um zu klären, ob eine bestimmte Position oder Weiterbildung für mich in Frage kommt? Durch die Vermittlung wissenschaftstheoretischer Methodik ermöglichte ich es ihr, alle Angebote einer Analyse zu unterziehen: Es sieht aus wie Zucker, aber ist es auch Zucker? Und: Führt es nur Energie zu, oder zieht es auch Energie ab (wie monatelange Abendkurse)?

Dieses Mehr an Information öffnete die Perspektive auf das Thema Karriereplanung: Frau S. wurde entscheidungssicherer. Der größte Gewinn aber war die Erkenntnis, dass alle Angebote bestehen, um das Bedürfnis der anderen zu stillen: Der Hauptabteilungsleiter will seinen Bereich zum Vorzeigebereich aufpeppen, das MBA-Institut sein Geschäft ankurbeln.

Auf dieser Grundlage erarbeiteten wir einen Plan.

Ergebnis: Frau S. blieb blieb in ihrer Position, aber nun ohne das nagende Gefühl, woanders etwas zu verpassen. Hier waren viele Abläufe so eingespielt, dass sie Luft für andere Dinge hatte. Wir erarbeiteten ein Drei-Jahres-Weiterbildungs-Portfolio. Darin enthalten: größere und kleinere Investitionen, Maßnahmen, die sich verschieben oder stornieren ließen, und solche, die kompakt, aber vom Umfang her gut zu bewältigen waren. Da gab es private und unkonventionelle „Weiterbildungen“ und solche, die ihr die Firma sponserte.

Insgesamt erweiterte sie damit ihr Know-how auf Gebieten, die persönlich sinnvoll waren und beruflich wichtige Erweiterungen darstellen. Karriere? Auf keinen Fall Schmalspur.

Epilog: Als ihr Chef zwei Jahre später eine neue Position erhält, ist sie bereit, die Nachfolge anzutreten. Und bestens vorbereitet ist sie auch.

 

*Sachverhalt wurde anonymisiert.

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